ANTRAG
von Felix Hegmann


Demographischer Wandel und soziale Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft

Einleitung

Der demographische Faktor ist als Einflussfaktor auf die Systeme der sozialen Sicherung zu sehen. Eine gravierende Veränderung des Altersaufbaus in der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland ist daran erkennbar, dass die Anzahl der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung steigt und der Anteil der nachkommenden jungen Menschen aufgrund geringerer Geburtenraten geringer ausfällt, sodass die so oft zitierte Alterspyramide auf dem Kopf steht. Der demographische Wandel geht nicht an Hambühren vorbei und wir als Gemeinde müssen uns den Herausforderungen dieses gesellschaftlichen Wandels im Rahmen unserer Handlungskompetenzen stellen. Keinesfalls darf der demographische Wandel als Schreckgespenst gesehen werden, aber eine Verharmlosung stellt keine angemessene Reaktion dar. Die Gemeinde Hambühren ist dank der aktiven Seniorenarbeit sehr gut aufgestellt. Dies beweist insbesondere das von Frau Mesenbrink erarbeitete Seniorenkonzept. Der nun folgende Antrag beinhaltet drei inhaltliche Komponenten, die aus meiner Sicht geeignet sind, um sich an das Thema "Demographischer Wandel" als Gemeinde heranzutasten, denn unsere Gemeinde weist einen prozentualen Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung Hambührens von ca. 19% auf.

Erste inhaltliche Komponente

Die uneingeschränkte Mobilität im Alltag ist aufrechtzuerhalten. Um diese Mobilität und gleichzeitig den Aspekt "Verkehrssicherheit" einzubeziehen, ist eine Modernisierung der Ampeln in Hambühren in Form der Installierung von akustischen Signalen von Nöten.

Die Bundesstraße 214 und die angrenzenden Landstraßen wie die L 298 stellen stark befahrene Straßen dar, die insbesondere vom Schwerlast- und Durchgangsverkehr genutzt werden. Die Verkehrsampeln an der B 214 in den Ortsteilen Ovelgönne und Hambühren I und II sind mit Akustiksignalen für die Fußgänger bzw. Radfahrüberwege zu versehen. Somit werden wir als Gemeinde gerecht gegenüber jene Bevölkerungsteile in unserem Gemeindegebiet, die auf diese Akustikhilfen angewiesen sind so zum Beispiel älteren Bürgerinnen und Bürger, Sehbehinderten und Sehgeschädigten aber auch Kindern. Wir ermöglichen eine sichere und uneingeschränkte Mobilität in der gesamten Gemeinde. Das Argument, "die Handlungsnotwendigkeit zur Modernisierung von Ampeln mit akustischen Signalen wird nicht gesehen, weil noch nie etwas passiert ist", darf hier nicht gelten gelassen werden. Eine Gemeinde, die das Motto "In Zukunft Hambühren" trägt, muss diesen Gedanken verfolgen und beweisen: Wir sind fortschrittlich und modern und vor allem sozial gerecht gegenüber Menschen, die aufgrund ihres Alters (Senioren) oder ihrer Behinderung (Sehgeschädigte) nur mit Hilfe Straßen überqueren können.

Die Verwaltung wird beauftragt:

a.) entsprechende Anbieter von Akustiksignalen für Verkehrsampeln ausfindig zu machen und sich konkrete Angebote für sämtliche Ampeln (insbesondere für die Ampel in Hambühren I, für die Ampel in Ovelgönne (Versonstraße/Wiesenweg) und für die Ampel in Oldau (an der Bushaltestelle) unterbreiten zu lassen.

b.) Des Weiteren prüft die Verwaltung, ob der LK Celle, das Land Niedersachsen und/oder der Bund Zuschüsse vergibt.


Zweite inhaltliche Komponente

Zahlreiche ältere Bürgerinnen und Bürger, die im Besitz eines Eigenheims sind, sehen sich mit dem Problem konfrontiert, dass sie mit zunehmendem Alter dieses dann nicht allein bewohnen wollen und teilweise auch nicht mehr können. Zugleich besteht der Zielkonflikt, dass sie ihre gewohnte Umgebung, nämlich ihren Wohnort, nicht verlassen möchten. Ein Wohnortwechsel ist auch nicht im Interesse der Gemeinde Hambühren, da hier eine Reduktion der Einwohnerzahl die Folge wäre. Mit Kreativität können wir Abhilfe schaffen und eine neue Möglichkeit präsentieren, sodass die älteren Bürgerinnen und Bürger weder ihren Wohnort wechseln müssen noch die Gemeinde Einwohner verliert: Die Schaffung seniorengerechter Wohnformen stellt hier eine Lösungsalternative dar. Die Gemeinde unterstützt Wohnungsinitiativen/- gemeinschaften älterer Bürger.

Die Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Bewohner soll so lange wie möglich aufrechterhalten bleiben. Integration geht vor Isolation. Die Wohnungsinitiativen bzw. -gemeinschaften zeichnen sich durch Barrierefreiheit aus. Zudem sind Gemeinschaftsräume wie eine Wohnküche, ein großes Wohn- und Esszimmer, ein Therapieraum für externe Dienstleister und ein Pflegebad vorhanden. Die Wohnungsinitiative/-gemeinschaft stellt kein Pflegeheim dar, sondern repräsentiert einen Ort für altengerechtes, eigenständiges und gemeinschaftliches Leben. Jeder Bewohner verfügt selbstverständlich über ein eigenes Zimmer/Appartement mit Bad. Dieses bietet Rückzugsmöglichkeit an. Jeder Bewohner hat auch einen eigenen Mietvertrag. Essen und Trinken kann auf Wunsch geliefert werden. Personal kann eingestellt werden und über die Mieteinnahmen bezahlt werden. So bietet sich zum Beispiel an, eine Reinigungskraft und bei Notwendigkeit auch eine betreuende Kraft einzustellen. Ansonsten erfolgt eine Betreuung durch karikative Dienste, die Seniorenarbeit der Gemeinde Hambühren und Angehörigennetzwerke. Das Vorhaben stellt sich auf einen unterschiedlichen Hilfe- und Unterstützungsbedarf älterer Menschen ein. Wichtig ist es, zu erkennen, dass das Projekt keine Konkurrenz zu einem Pflege/Altenheim darstellen soll.

Die Realisierung von Wohnungsinitiativen/-gemeinschaften älterer Bürger kann durch private Investoren, karikative Einrichtungen, öffentliche Träger und/oder Kirchenträger vorgenommen werden. Das Betreiben in einer genossenschaftlichen Struktur bietet sich an. Ein Neubau ist nicht unbedingt notwendig. Es bietet sich auch an, bestehende Gebäude eventuell auch gemeindliche Immobilien umzubauen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zeigt auf ihrer Homepage zahlreiche Modellstandorte und bietet auch finanzielle Förderungsmöglichkeiten an. Der ländliche Raum bietet sich aus meiner Sicht für eine Realisierung des Vorhabens sehr gut an. Hierfür gibt es auch Projekte so zum Beispiel im 1000-Einwohner- Örtchen Göritz in der Uckermark. Das Projekt Olga in Nürnberg, der Name steht für ein umgebautes Mehrfamilienhaus, das von einer Senioren- WG bewohnt wird und von einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft realisiert wurde, ist ein Beispiel, das übertragbar auf Hambühren ist.

Im Alter steigt die Bedeutung des Wohnens für eine zufriedene und selbstständige Lebensführung. Die Unterstützung von Wohnungsinitiativen durch die Gemeinde Hambühren beweist, dass zukunftsweisendes Wohnen für Senioren möglich ist. Gemeindeintegration findet hierdurch statt.

Die Verwaltung wird beauftragt:

a.) zu prüfen, ob gemeindliche Immobilien für einen Umbau geeignet erscheinen.

b.) ob sich in Hambühren befindliche private Immobilien, unabhängig davon, ob sie Leerstehen oder genutzt werden, in Betracht kommen. Entsprechende Besitzer sind ausfindig zu machen und auf das Vorhaben aufmerksam zu machen. Ebenso können Objekte, die zwangsversteigert werden sollen, in Frage kommen.

c.) nach Investoren (Bauunternehmen, Immobiliengesellschaften, Privatinvestoren, kirchliche oder karikative Träger, etc.) zu suchen.

d.) Kriterien zur finanziellen Förderung des Projektes durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend anzufordern und zu prüfen, ob das Land Niedersachsen oder der LK Celle Zuschüsse vergibt.

d.) den Bedarf in Hambühren festzustellen z.B. anhand einer Bürgerbefragung der über 65-Jährigen


Dritte inhaltliche Komponente

Ein weiterer Baustein des Antrages sieht vor, die Mobilität jener Menschen in der Gemeinde Hambühren zu gewährleisten, die nicht über ein PKW verfügen und aufgrund ihres Alters auf den Öffentlichen Personennahverkehr angewiesen sind. Die Möglichkeit der innerörtlichen Personenbeförderung ist zwar grundsätzlich durch die CeBus-Linien 70 und 71 gegeben, aber die Fahrzeiten bieten gerade für die abendlichen Stunden oder am Wochenende wenig Spielraum, um beispielsweise an Veranstaltungen/Aktivitäten der Seniorenarbeit Hambühren teilzunehmen oder Einkäufe durchzuführen. Diese Menschen können am Gemeindeleben nur eingeschränkt teilnehmen. Um dem entgegen zu wirken, sollte es der Gemeinde Hambühren ein besonderes Anliegen sein, die Problematik der mangelnden Erreichbarkeit zu beseitigen und die Mobilität innerhalb der Gemeinde für den älteren Bevölkerungsteil zu ermöglichen. Mangelnde Erreichbarkeit darf kein Hindernis für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben in unserer Gemeinde sein.

Die Mobilität des älteren Teils der Bevölkerung wird durch die Einrichtung eines Fuhrparkservices in Hambühren gesichert. In diesem Fuhrpark sind bereits vorhandene und adäquate Fahrzeuge der Vereine in Hambühren wie dem Sportverein Hambühren und dem Tus Oldau-Ovelgönne integriert. Die Fahrzeuge gehören selbstverständlich weiterhin den Vereinen, sie werden nur zusätzlich noch durch die Seniorenarbeit Hambühren genutzt, um Fahrdienste zu den Kontakt-, Vernetzungs- und Bewegungsangeboten, sprich zu den Veranstaltungen der Seniorenarbeit, zu gewährleisten. Die Seniorenarbeit meldet bei den Vereinen ihren Bedarf für die Nutzung eines Fahrzeuges an. Der Verein stellt dann das Fahrzeug und Fahrer zur Verfügung. Das zusätzliche Engagement des Vereins, Fahrzeug und Personal zur Verfügung zu stellen, wird durch die Gemeinde finanziell begünstigt. Pro Einsatz wird ein festgesetzter Geldbetrag gezahlt, allerdings ist hier festzulegen, dass z.B.: maximal bis zu vier Fahrten pro Monat von der Gemeinde für den Verein gezahlt werden. Der Verein kann selbstverständlich mehr Fahrten durchführen, nur diese werden dann nicht entlohnt. Alle Beteiligten würden von dieser Lösung profitieren:

a.) Die nicht mobilen Senioren haben die Möglichkeit zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben
Sie werden mobil und werden in das gesellschaftliche Leben integriert.

b.) Die kooperierenden Vereine, die sich bereit erklären, ihre Vereinsfahrzeuge und Fahrer zur Verfügung zu stellen, erhalten zusätzliche Vereinseinnahmen.

c.) Das Gemeindeleben wird noch vielfältiger, da Vereine größere finanzielle Spielräume haben und noch agiler handeln können und die älteren Bürger in Hambühren werden nicht aufgrund der mangelnden Mobilität ausgeschlossen, sondern integriert.

d.) Die Gemeinde muss keine Anschaffung für einen Van/Transporter tätigen und spart hierdurch Geld.

Die Verwaltung wird beauftragt:

a.) Die Verantwortlichen des Sportvereins Hambühren e.V., des Tus Odlau-Ovelgönne e.V. und der Seniorenarbeit Hambühren werden im Hinblick auf die Realisierung der Idee befragt.

b.) ein Abrechnungsmodell zu erstellen, das aufzeigt, wie die Vereine entlohnt werden können
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